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 Arbeit 18.02.2003 (19:46 Uhr) Jenny
Müsste dringend wissen was die Leute in Russland so arbeiten und wovon sie Leben etwas über die Industrie wäre auch super
 Re: Arbeit 19.02.2003 (01:37 Uhr) Eliane
> Müsste dringend wissen was die Leute in Russland so
> arbeiten und wovon sie Leben etwas über die Industrie
> wäre auch super


Ein bisschen detaillierter kannst du deine Frage nicht stellen?
Es hängt sehr stark auch von der Region ab, in der sie leben. Moskau und Petersburg sind eindeutig besser gestellt, als viele Provinzstädte und die wiederum besser als ein Dorf.
Ich lebe in Ulan-Ude, Ostsibirien, 500000 Einwohner, also "Kleinstadt" und tiefste Provinz.

Was arbeiten die Leute? Im großen und ganzen haben sie die gleichen Berufe wie in Deutschland. Über die Qualität ihrer Ausbildung kann man in manchen Bereichen streiten, in anderen sind sie uns Deutschen sicher überlegen.

Das größte Problem sind wohl die Löhne, sofern der Mensch für ein staatliches Unternehmen arbeitet oder direkt im Staatsdienst ist. Die einen werden nach wie vor über Monate hingehalten (oft in Fabriken), oder sie verdienen einfach zu wenig (Lehrer, Hochschullehrer, Ärzte), um sich ein halbwegs sorgloses Leben leisten zu können und sich gleichzeitig gut auf ihren nicht unwichtigen Beruf zu konzentrieren.

Die Folge ist, dass gerade da die fähigsten Leute ihre Zukunft bei privaten Firmen suchen, wo sie gut verdienen.

Sehr viele Menschen besitzen eine Datscha und wenn es Rentner sind, dann leben sie die überwiegende Zeit des Jahres dort. Sie bauen Gemüse an, halten vielleicht auch ein paar Hühner und ein Schwein. Somit kann man sie fast schon in die Kategorie Selbstversorger einordnen.

Seit den politischen Veränderungen gibt es viele viele Händler, die in Kiosken oder an kleinen Straßenständen ihr Glück versuchen und oftmals nicht schlecht dabei verdienen.

Eine Handwerkszunft, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es hier so nicht. Es war alles "automatisiert" worden und erst langsam bilden sich kleine Betriebe heraus, die einem eine Holz-Tür oder einen Stuhl auf Bestellung bauen könnten. Einige dieser Berufe haben kein sehr gutes Ansehen, es haben eher die Schwachen aus der Schule, Schlosser oder Koch gelernt. Und so fehlen heute z.B. immer noch sehr viele gute Köche für die vielen neuen Restaurants. Der Massenkoch aus der Kantine, kann das nicht leisten.

Zur Industrie kann ich wenig sagen. Aber mir fällt auf, dass viele Fabriken unglaublich runtergekommen aussehen und man den Eindruck hat, sie würden still stehen, aber plötzlich steigt doch schwarzer Qualm aus dem Schlot auf und wenn Schichtwechsel ist, strömen Arbeiter heraus.
In den schweren Berufen sind nicht selten auch Frauen zu finden.

Viele Menschen haben auch zwei oder drei Jobs, die dann zusammen ein gutes Auskommen bringen. Bei mir an der Uni arbeiten auch noch viele Rentner, die einerseits Rente bekommen, andererseits aber ihr Gehalt.

Auch wenn das alles recht düster klingt, es ist aber doch ein Anstieg in der Lebensqualität und im Lebensstandard festzustellen.
Ich kenne keine Familie in Russland, die nicht wenigstens 2 Fernseher hat und einen Videorekorder. Inzwischen haben richtige Waschmaschinen in viele Haushalte gefunden. Vor 5 Jahren gab es das noch nicht.
Auch leisten sich nicht nur die Superreichen hin und wieder Restaurant-Besuche und es erstaunt einen doch, wie voll viele dieser Lokale sind, auch Studenten z.B.
Wenn man sich auf den Straßen umsieht, bemerkt man schnell die Vielzahl an West- bzw. Japankarossen. Wer etwas auf sich hält, versucht alles daran zu setzen, auf so ein Fahrzeug zu sparen.

Und noch etwas stelle ich fest. Der Umgang mit Geld ist hier ein anderer. Viel öfter borgt man sich etwas, auch wenn man weiß, dass man es wohl nie zurückzahlen kann, es ist eine Art Ringtausch, denn irgendwann steht auch bei mir ein Freund und braucht Geld und dann finde ich welches, das ich ihm geben kann. Es ist völlig selbstverständlich und überhaupt nicht mit Peinlichkeit verbunden, wie bei uns.
Es sind oft Beträge in der Höhe eines Monatseinkommens oder auch drüber.

Wie es genau funktioniert, habe ich noch nicht verstanden, denn irgendeiner muss das Geld ja mal tatsächlich besessen haben und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der es einfach großzügig hergibt, ...

Wie dem auch sei.
Es ist ein großes Thema und nicht einfach zu beantworten.
Ich habe jetzt ein paar Feststellungen für die provinz getroffen, die aber nicht allgemeingültig sein müssen.

Viele grüße
Eliane
 Re: Arbeit 19.02.2003 (17:35 Uhr) jrgpeters
Halo Eliane,
hast Du Lust eine kleine Tour fuer Touristen in Ulan-Ude fuer uns zu organisieren?
Viele Gruesse
joerg
...dann schreib mir bitte eine mail: jrgpeters@hotmail.com
 Re: Arbeit 19.02.2003 (08:01 Uhr) Sandra
> Müsste dringend wissen was die Leute in Russland so
> arbeiten und wovon sie Leben etwas über die Industrie
> wäre auch super
Ich vermute mal Du brauchst diese Infos fuer eine Schule? Nun in Russland leben Menschen wie ueberall mit Berufen wie ueberall. Moskau darf man dabei getrost als Gradmesser vergessen und sollte sich in der Provinz umsehen, Beamte, Lehrer, Dozenten etc. verdienen unter jeder Diskussion. Den die Preise sind in Russland doch relativ hoch und die Gehaelter reichen nicht zum leben. es ist durchaus ueblich dass man hier zwei oder auch drei Jobs hat damit man seine Angehoerigen einigermassen Menschenwuerdig durch das leben bringt. Also bitte nichts von die Russen sind faul, die Russen sind ueberarbeitet dies waere richtiger formuliert. Wer Fremdsprachen sprachen kann arbeitet nicht nur als Lehrer oder Dozent sondern vermietet Zimmer an Touristen, macht Uebersetzungen (fuer gerade bei Buechern laecherliche Preise zB. eine Seite A4 USD 1.50 aber dafuer 700 Seiten lang)Dolmetsch fuer Geschaeftsleute etc. Wer keine Sprache gut beherscht wird in der Freizeit versuchen als Handwerker zu arbeiten und im uebrigen gerade in der Provinz versucht jeder einen guten Gemuesegarten fuer die Winterlagerung zu bestellen. In der Landwirtschaft bekommen die Leute haeufig das Geld erst im Herbst und dies faellt auch nicht gerade gross aus. So versuchen viele Omas vom verkauf von Eingemachtem zu leben, dass sie auf den Maerkten oder an den Bahnhoefen verkaufen.Da auch die Polizei schlecht verdient und die Oma keine Verkaufslizenz besitzt muss sie dafuer etwas von ihrem spaerlichen Ertrag den Herrn abliefern. Viele haben nicht nur Frau und Kind zu ernaehren sondern auch die Grossmutter die ueber 90 ist und die Oma der Kinder weil die Renten nicht zum leben reichen. Die Jungen haben erstaunlich viel Geld, die sitzen immer in Kaffees leider ist das Geld der Eltern was diese sich sauer verdient haben das dort haeufig ausgegeben wird. Den Kinder werden hier nach Moeglichkeit masslos verwoehnt, wie sich das dann weiter entwickelt sehe ich eher mit Skepsis.
Ich hoffe dies nuetzt etwas. Uebrigens zu den Fabriken ist zu sagen, die Arbeitsbedingungen sind oft schlecht (keine Filter, kein Arbeitsschutz) und die Gehaelter auch nicht gut, gerade dort findet man viele Frauen die Schwerarbeit machen.
Hoffe die hilft weiter
Sandra

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